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06.11.2018     ATYPISCHE WEIDEMYOPATHIE

 

Die atypische Weidemyopathie ist eine meist tödlich verlaufende Krankheit
Infoblatt

Die atypische Weidemyopathie ist eine meist tödlich verlaufende Krankheit (75% - 85% Sterberate), die zu einem ausgedehnten Untergang von Muskelzellen und anschließendem Nierenversagen führt.
Verursacht wird die Erkrankung durch den Wirkstoff „Hypoglycin A“, der in den Samen (Gefahr im Herbst) und Keimlingen (Gefahr im Frühling) von Ahornbäumen, bei uns v.a. der Bergahorn- siehe Fotos, enthalten ist. Wenn diese gefressen werden, verursacht das „Hypoglycin A“ erhebliche Schäden in der Muskulatur und eine Entgleisung des Energiestoffwechsels.
Die Pferde zeigen oft kolikähnliche Symptome mit weiterhin normalen Darmgeräuschen, sie sind oft anteilnahmslos, zeigen Appetitlosigkeit, steifen oder schwankenden Gang, Schwäche bis hin zum Festliegen, Zittern, Schwitzen und erhöhte Puls- und Atemfrequenz. Es wird dunkelbraun-rot verfärbter Harn abgesetzt und in schwerwiegenden Fällen können die Pferde akut versterben.
Labordiagnostisch zeigen sich vor allem Veränderungen der Muskelwerte, besonders der CK-Wert (Creatinkinase, wichtig für den Energiestoffwechsels der Muskelzellen) ist um ein Vielfaches erhöht. Weiters sind oft Erhöhungen des Lactat-Wertes (Stoffwechselprodukt der Muskulatur) und eine metabolische Azidose (saure Stoffwechselentgleisung) festzustellen.
Die Behandlung der atypischen Weidemyopathie kann derzeit leider nur symptomatisch durchgeführt werden, wobei v.a. eine Infusionstherapie zum Ausgleich des Flüssigkeitsverlustes wichtig ist. Zusätzlich können Antioxidantien und Vitamine (wie z.B. Selen, Vit E, Vit B12, Vit C) verabreicht werden. Bei der Gabe von Schmerzmitteln sollten nichtsteroidale Antiphlogistika wegen der zusätzlichen Nierenbelastung vermieden werden. Wenn die Pferde noch fressen, sollte ein fettarmes, eher kohlenhydratreiches Futter (wie z.B. Heu, Stroh, Hafer, Getreide,…) verabreicht werden.

Von besonderer Wichtigkeit sind präventive Maßnahmen:

- Prüfen des Baumbestandes im Bereich der Koppeln
- Begutachtung der Weiden im frühen Herbst, um das Vorhandensein von Ahornsamen auszuschließen, und gegebenenfalls Reinigung der Weide
- Verhindern des Fressens der Keimlinge und Jungpflanzen im Frühling – entweder entfernen oder kein Beschicken dieser Weiden
- Die Pferde sollten im Herbst nach ungünstigen Wetterverhältnissen (erste Kälteeinbrüche, starker Regen, Wind) möglichst aufgestallt werden, da es dadurch zum massenhaften Abgang der Bergahornsamen kommen kann

Grundsätzlich ist wichtig, dass auf den Weiden genügend Gras zur Verfügung steht. Auf abgegrasten Weiden ist die Gefahr deutlich größer, dass die Pferde die eventuell vorhandenen giftigen Samen aufnehmen. Jedenfalls sollte in diesem Fall ausreichend Heu und evtl. Kraftfutter zugefüttert werden. Dabei sollte das Futter besser aus Futterraufen und nicht direkt vom Boden gegeben werden.

Mag. Barbara Dock






BERGAHORN (enthält viel Hypoglycin A) – Blattlappen sind zugespitzt, Blattrand ist gesägt, Flügel der Samen sind spitzwinkelig zueinander zugeordnet





Feldahorn (enthält kein Hypoglycin A) Spitzahorn (enthält kaum Hypoglycin A)

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